Was ist eine Parkuhr?

Eine Parkuhr ist keine Uhr. Sie sieht nicht mal aus wie eine. Keine Zeiger, kein Zifferblatt. Die Zeit zeigt sie auch nicht an. Jedenfalls nicht die Tageszeit. Und sie steht nicht im Park. Irgendwie verwirrend. Parkuhr. Keine Uhr, kein Park.

Die Parkuhr zählt rückwärts. Minuten. Stunden. Das aber macht sie nicht umsonst. Sie verlangt Geld für’s Zählen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das hängt davon ab, wie lange sie zählen soll. Und in welcher Stadt, in welchem Quartier sie steht. Im Gegenzug darf ich mein Auto in ihrer Nähe abstellen. Auf einem markierten Parkplatz – der hat auch nichts mit dem Park zu tun. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich frage mich: Was soll das? Wieso muss ich dafür zahlen, dass eine Uhr, die keine ist, Zeit rückwärts zählt, während mein Auto in ihrer Nähe steht? Laut Bundesverfassung ist die Benützung öffentlicher Strassen gebührenfrei. Das schliesst das Parkieren ein, sofern es gemeinverträglich ist. Heisst für mich, dass ich mein Auto nicht mitten auf der Strasse abstellen sollte.

Die Liebhaber der unverständlichen Sprache beim Bundesgericht sehen das anders. Sie entschieden dereinst, dass das Abstellen eines Fahrzeuges auf einem Parkfeld – Synonym zu Parkplatz und somit ebenfalls nicht verwandt mit dem Park – in der Innenstadt wegen grosser Nachfrage bereits ab 30 Minuten nicht mehr gemeinverträglich ist. Deshalb gibt es die Parkuhr. Deshalb muss ich zahlen.

Eine Uhr ist schön. Ein Park auch. Die Parkuhr nicht.

Diese Betrachtung habe ich im Maz-Kurs „Satire, Kolumne, Glosse“ bei Gisela Widmer geschrieben.